Ermstag 2003

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Aktionstag „Lebendige Erms“

von Rolf Rickborn und Dr.Margarete Dohmann

Von der Quelle in Seeburg bis zur Mündung in den Neckar wurde am 29.Juni 2003 die Erms erradelt. Groß und Klein besuchten die 17 Stationen in den sechs Anrainergemeinden und warfen so manchen Blick in und auf die Erms. Und genau das war es, was der Aktionstag - der unter der Schirmherrschaft des Umweltministers stand - wollte: die Erms in den Mittelpunkt stellen, aufmerksam machen auf ihre Schönheit - dort, wo sie im Oberlauf teils munter zwischen Wiesen plätschert - auf ihre Mängel - dort, wo sie verbaut, begradigt, ge- und übernutzt wurde und wird und sensibilisieren für Möglichkeiten, den Gewässerzustand wieder zu verbessern, zu renaturieren.

Die Träger: EVA

Der Aktionstag „Lebendige Erms" wurde von der ErmsVerbund-Arbeitsgruppe „EVA" organisiert. In dieser Arbeitsgruppe, deren Gründung auf die Initiative des Metzinger Bürgers Rolf Rickborn zurückzuführen ist, sind vertreten:

  • alle Erms-Anrainerkommunen: Bad Urach, Dettingen, Metzingen, Riederich,Bempflingen und Neckartenzlingen,
  • die Gewässerdirektionen in Ulm und Kirchheim (Teck),
  • die Landratsämter Reutlingen und Esslingen,
  • Vertreter des privaten Naturschutzes und
  • Agenda-Aktive Bürgerinnen und Bürger.

Mit vereinten Kräften will EVA sich dafür einsetzen, der vielerorts arg gebeutelten Erms wieder in ein natürlicheres Bett zu helfen. Dazu werden Bestandsaufnahmen durchgeführt, Prioritäten für Renaturierungsprojekte aufgestellt, Pilotprojekte umgesetzt, Gespräche mit Nutzern geführt und die Öffentlichkeit informiert und sensibilisiert. Als Maßnahme zur Information einer breiten Öffentlichkeit wurde der Aktionstag „Lebendige Erms" beschlossen.

Die Organisation: ein Rentner

Der 66-jährige Rentner Rickborn stand für Monate im Brennpunkt des Geschehens. Heiß ging es auf seinem Schreibtisch und am Telefon zu. Er hielt bis zum Start um 10 Uhr alle Fäden in den Händen. Sein Organisationstalent und Hang zum Perfektionismus bescherte EVA eine kostenlose Zentrale.


Vorbereitungen und Aktivitäten rund um den Aktionstag

Die Vorbereitungen für den Aktionstag begannen bereits im Mai 2002. Zunächst war daran gedacht, sich in das terminlich bereits feststehende Aktionswochenende des Landes „Aktionstag Neckar - tausend Quellen, ein Fluss" einzureihen, was dann aber wegen terminlicher Überschneidungen mit dem Bad Uracher Schäferlauf nicht möglich war. So entwickelte sich die Idee einer eigenen Veranstaltung an der Erms, in deren Zentrum ein großer EVA-Radparcours „Von der Quelle bis zur Mündung" stehen sollte. Um öffentlichkeitswirksam auf diesen Termin hin zu arbeiten, wurde ergänzend ein EVA-Fotowettbewerb ausgeschrieben, es wurden Schulen beworben, ein Wassertest vorbereitet und Faltblätter und Plakate gedruckt. Da Sponsoren gefunden werden konnten, die die Idee des Ermstages unterstützten, konnte die Attraktivität der Veranstaltung durch die Ausschreibung großzügiger Preise für den Fotowettbewerb und den Radparcours noch erhöht werden. Positive Unterstützung für die Aktion kam auch von den örtlichen Medien.

EVA-Fotowettbewerb

Unter dem Motto „Mit der Kamera unterwegs von der Quelle bis zur Mündung" wurde bereits am 4. April der Fotowettbewerb eröffnet. Abgabeschluss aller Fotos in den Rathäusern entlang der Erms war der 20. Juni 2003. Gesucht und bewertet wurden die drei besten Bilder der „schönen Erms" und der „hässlichen Erms". Als Hauptgewinne konnten 2 Digitalkameras des Hauptsponsors, der Volksbank Metzingen - Bad Urach geboten werden. Ansprechende Flyer wurden in allen siebzehn Geschäftsstellen der Volksbank und in den Rathäusern ausgelegt. Großformatige Plakate des Landratsamtes Reutlingen unterstützten die Werbung kolossal. Am 26. Juni trat die Jury im Ratssaal des Rathauses Dettingen zusammen. Bürgermeister Hillert, der Fotograf Axel Höss und der Nabu-Ortsvorstand Albrecht Brodbeck sichteten die vielen eingegangenen Bilder.

Die schöne ErmsDie schöne Erms;Raymond Jäger,Upfingen  Die hässliche ErmsDie hässliche Erms;DirkHövemeyer, Dettingen


Schulen für eine lebendige Erms

Mit einem Faltblatt wurden die Schulen im Ermstal dazueingeladen, sich am Erms-Aktionstag zu beteiligen und die Erms im Vorfeld zum Unterrichtthema zu machen. Für interessierte Lehrer konnte die Unterstützung durch den Projektleiter der Initiative „Schulen für einen lebendigen Neckar" angeboten werden. Markus Knödler vom Büro am Fluss aus Plochingen übernahm diesen Part.

EVA-Wassertest

Beim Wassertest - einer Station des Radparcours - war das Ermswasser als Metzinger Trinkwasser aus zwei weiteren Wässern (Bodensee- und Mineralwasser) herauszuschmecken. Vor dem Metzinger Rathaus hatten die Stadtwerke Metzingen einen Stand bezogen und boten dabei gleich viel Informationen zum Thema Wasser allgemein. Unter den richtigen Antworten wurden Preise verlost.

EVA-Radparcours

Der Radparcours führte über 17 Stationen von der Ermsquelle in Seeburg bis zur Mündung in den Neckar nach Neckartenzlingen. Begonnen werden konnte an jeder beliebigen Stelle, fluss-auf- oder -abwärts. Zeitgleich wurde an allen sechs Orten um 10 Uhr durch die Bürgermeister und weitere Vertreter der EVA der Ermstag eröffnet. Von 10:00-16:30 Uhr waren die Stationen, an denen Teilnahmebestätigungen abgestempelt wurden, besetzt. Der Besuch von acht Stationen berechtigte zur Teilnahme an der großen Verlosung bei der Abschlussveranstaltung nachmittags um 17:00 Uhr in Dettingen; Hauptgewinn war hier ein gelbes Citybike. Die gleiche Bedingung galt für Inlinefahrer/innen. Rollstuhlteilnehmern genügten vier Besuche.

Die Stationen selbst boten unterschiedliche Informationen teils über die Erms oder rund um's Wasser, teils über ihre Anlieger oder Nutzer. Kostenlose Erfrischungsgetränke und Imbissmöglichkeiten rundeten das Angebot ab. Die Imnauer Fürstenquellen hatten zwei Paletten Getränke und die Dettinger Firma Uniplast tausende Becher gesponsert. Für die Führung von Station zu Station sorgten die Gemeinden mit ausgezeichneter Beschilderung.

Um möglichst vielen Teilnehmer/innen des Radparcours eine Möglichkeit zur Teilnahme an der Abschlussveranstaltung in Dettingen zu bieten, wurden Möglichkeiten der Fahrradbeförderung entlang der gesamten Strecke angeboten.


Aktionstag und Abschlussveranstaltung

Im Zentrum von Dettingen feierte die Freiwillige Feuerwehr den ganzen Tag ihr 125-jähriges Jubiläum. Ab 17 Uhr gehörte der Platz auch der EVA. Unter den Klängen des Musikvereins Dettingen fuhren sechs Bürgermeister mit ihrem Fahrrad vor und BM Michael Hillert eröffnete das Fest. Der erste Landesbeamte am Landratsamt Reutlingen, Herr Stede, überbrachte die Glückwünsche des Kreises - Herrn Rickborn bezeichnete er in seinem Grußwort als den Adam der Eva - und Herr Ministerialdirigent Peter Fuhrmann die der Landesregierung und des Umweltministers. In seinem Vortrag ging letzterer auch auf die neue europäische Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL) ein. Man sei auf dem richtigen Weg und weit fortgeschritten. Vor Hunderten von Teilnehmern wurden dann die Preisträger des Fotowettbewerbs geehrt und die Preise überreicht. Glücksfee Dr. Margarete Dohmann zog derweil aus einer Lostrommel die Gewinner des Radparcour. Nach einer starken Stunde gehörte der Platzwieder der Feuerwehr.

Rückblick

Der Aktionstag wurde - trotz sommerlicher Hitze - von der Bevölkerung gut angenommen. Anhand der abgestempelten Karten bei den verschiedenen Stationen ermittelten wir 525 Teilnehmer. Die größte Radlerschar kam aus Dettingen. Die bis 14-jährigen und die 40-50-jährigen stellten die größten Gruppen. Der Akzent lag also auf dem Familienausflug. Auch der sportliche Ehrgeiz trat zu Tage. Der 68-jährige Thomas Rösl aus Neckartenzlingen strampelte die 65 km von der Mündung zur Quelle und zurück in 3 Stunden 50 Minuten.

Die Gustav-Werner-Stiftung in Dettingen hatte ihr Sommerfest extra auf diesen Tag gelegt. Mit ihrer Stempelstation boten sie den Radlern vieles, profitierten aber auch von dem großen Interesse an ihrer Institution. In der Metzinger Mühlwiesenstraße konnte Konrad Berger von der Stadtverwaltung tiefe Einblicke in die Funktion der dort vorgesehenen rauen Rampe gewähren. Die Gewässerdirektion hatte kurzfristig eine informative Schautafel erstellt.

44 Hobbyfotografen hatten 124, zum Teil künstlerisch wertvolle, Fotos zur Prämierung eingereicht. Der überwiegende Teil zeigte die teilweise Vermüllung der Erms und einen insgesamt sicheren Blick für „schön" und „schlimm" entlang der Ufer. Der absolute Knüller des Ermstages war zweifelsfrei der Radparcour. Die Resonanzen waren sehr positiv, der Wunsch nach Wiederholung unüberhörbar. Wochen danach meldete sich Herr Kurt Kroiss aus Neckartenzlingen und bot die kostenlose Erstellung einer Homepage an. Heute kann man unter www.erms.de weltweit im Internet den Fortgang im Ermstal mitverfolgen.

Positiv zu werten ist seither die Bereitwilligkeit von Gemeinderäten und Verwaltungen, die Priorität öffentlicher Gewässer etwas höher zu hängen. So werden jetzt Gewässerentwicklungspläne und Hochwasserschutzdurch Sicherung von Überschwemmungsflächen positiver angegangen.

Ohne das leidenschaftliche Engagement eines Einzelnen, ohne den guten Willen der Bürgermeister und Dienststellenleiter, ohne die intensive Mitarbeit vieler teamfähiger Damen und Herren in den Behörden und ohne die finanzielle Anschubfinanzierung durch PLENUM des Landratsamtes Reutlingen wäre nichts so gut geworden!

Ausblick

EVA wird noch viele Jahre arbeiten müssen. Die Aufgaben sind klar umrissen und nicht unendlich. Die WRRL wird fordern und die Finanzen der öffentlichen Hand werden den Takt bestimmen. Ohne das Engagement aller vorher genannten Personen wird aber das Ziel – die schöne und gesunde Erms - nicht zu erreichen sein. Es gibt Vorstellungen, im Zweijahresrhythmus mit Ermstagen die Bevölkerung zu mobilisieren. Ob sich dazu je wieder so eine Crew findet, steht auf einem anderen Blatt.

Anschrift der Autoren:

Rolf Rickborn
Leberbachstraße 10
72555 Metzingen-Neuhausen
Tel.: 07123/15298
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Dr. Margarete Dohmann
Landratsamt Reutlingen
-Umweltschutzamt-
Postfach 2143
72711 Reutlingen
Tel.: 07121/480-9327
Fax: 07121/480-9300
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