Seeburg

Standort „Bodenloser See“ im Fischburgtal

Der Bodenlose See entstand aufgrund des Phänomens der Kalkfällung. In den unterirdischen Karstklüften gelöster Kalk wurde beim Austritt der Erms aus dem Gebirge aufgrund von:

  • Höherer Temperatur 
  • Niedrigerem hydrostatischen Druck
  • CO2-Verbrauch von Pflanzen (z.B.Moosen)

ausgefällt. Durch den damit verbundenen Aufbau von Kalktuff konnte die Erms ihr Flussbett erhöhen und eine Barriere aufbauen. Aufgrund dieses Damms wurde der Fischbach, der nicht über ausreichende Erosionskraft verfügte, zu einem See aufgestaut. Wegen seiner Tiefe (bis zu 8 m) erhielt der See den Namen "bodenloser See".        

Die Kalktuff-Barriere und der See sind heute nicht mehr sichtbar. In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts wurde der Fischbach unterirdisch durch einen Kanal geleitet, um für den Ort Seeburg Bauland zu gewinnen, der See trocknete aus.

bodenlosersee
Quelle: "Geographie der Ludwig-Maximilians-Universität München",
T. Heckmann

Exkursionsbericht Süddeutschland im West-Ost-Profil 05.-08. Juli 2001

Original von Herrn Bibus

Ich danke dem Institut für die freundliche Genehmigung, diesen Beitrag hier zu veröffentlichen.


Heinrich Schickhardts längstes Bauwerk: Der Seeburger Fischbachstollen

Manfred Waßner

„Oberhalb Aurach im Thal für daß Schloß Wittlingen hinuff und daß flecklin Seeburg, da liegt ein gar lustiger für sich selbst entstandner seeh, welchen man nit ablassen kann, darinnen die besten und größesten fornen zu finden ... aber von wegen der tieffin nit wol drauß fangen seien“.

Mit diesen Worten beschrieb 1596 Jakob Ramminger in seinem Seebuch den „Bodenlosen See“, der auf einer Länge von rund 350 Metern das Fischburgtal oberhalb Seeburgs bei Urach bedeckte. Seinen Namen trug das Gewässer nicht zufällig: Mehr als zehn Meter tief war der See an manchen Stellen. Ramminger dürfte auch der erste gewesen sein, der die weiter zurückreichenden Überlegungen, den See ablassbar zu machen, schriftlich niederlegte; „Die Kosten dafür, so Ramminger, wären durch den besseren Fischfang nahezu gedeckt. Fische wurden damals nicht geangelt, sondern allenfalls mit Reusen oder Netzen gefangen. Die übliche Methode der Fischzucht war jedoch die Teichwirtschaft. In ablassbaren Weihern wurden Fische aufgezogen, die dann bei sinkendem Wasser abgegriffen werden konnten. Die später von Schickhardt erarbeiteten Pläne für Seeburg stießen beim Uracher Hoffischer Jakob Beirle deshalb auch auf große Zustimmung. Er trat 1613 mit Nachdruck dafür ein, den See ablassbar zu machen. Von den drei Seeburger Seen war damals der mittlere See offenbar bereits mit einem Stellbrett für die Flößerei versehen und konnte auf diese Weise teilweise abgelassen werden. Im Fall des „Bodenlosen Sees“ war dies vermutlich nicht in gleichem Umfang möglich, da sonst Gebäude im Dorf Schaden genommen hätten.

Um 1610 fertigte Schickhardt erste Planskizzen zum ablassen des Sees. Sie sahen einen rund 400 Meter (1420 Schuh) langen, nahezu geraden Stollen vor. Ständig hatte der herzogliche Baumeister dabei die Kosten des Vorhabens im Auge. Das Vorhaben ließe sich mit 1600 Gulden verwirklichen, wie sein Vorschlag ergab. Den Stollen selbst dachte sich Schickhardt 6 Schuh (1,72 m) hoch, zur Decke hin verjüngt. Die obere Breite sollte 1,5 Schuh (43 cm), die untere 4 Schuh (1,15 m) betragen.

Im April 1617 begannen die Bauarbeiten. Zwei Bergknappen trieben den Stollen gemeinsam mit einem Knecht voran. In elf Tagen schafften sie zwölf Meter. Anfang 1618 hatten sie 250 Meter geschafft. Jetzt begannen Schwierigkeiten, die Schickhardts Kostenvoranschlag wertlos machen sollten; ...ist man an iberharten felsen gerhaten, der sich nit arbeiten lassen“ berichtet der Baumeister. Ein verlorenes Jahr Bauzeit und 808 Gulden zusätzliche Kosten waren die Erkenntnis. „Hete man aber anfangs etliche schechdt nider gesonckhen, wan gleich etliche vergebens wehren gewesen, so hete man doch dardurch das gebirg erkhinen (können)“. Die neue Kostenkalkulatin Schickhardts ergab nun 4000 Gulden für das Bauwerk. Im Herbst 1619 wurde nach der neuen Methode weiter gearbeitet.

Die neue Methode, die sich am Gestein orientierte, ergab einen Gang, der sich mehrfach krümmt. An vielen Stellen war das Gestein „ohngantzmürb und faul gewesen“, weshalb der Bergmann Olitzden den Gang breiter und höher machte, als Schickhardt vorgesehen hatte. Der Stollen ist noch heute fast druchgehend mit sauber verfugten Tuffsteinen verkleidet.

Im späten Frühjahr 1620 scheint der Stollen fertig gewesen zu sein, im Herbst scheint er ein erstes Mal abgelassen worden zu sein. Mehr als zwei Meter tief war der Schlick am Seegrund, das Ergebnis des ersten Fischfangs stellte niemand zufrieden; Nur kleine Fische waren der Ertrag. Im 18. Jahrhundert wurde der See zur Flößerei von Brennholz genutzt. Ab 1821 blieb der See ständig abgelassen. Die Bedeutung des Stollens stieg dadurch für Seeburg. Der bis zu 15 Meter unter der Erdoberfläche verlaufende Kanal leitet den Fischbach zweimal unter der Erms hindurch, bevor er nach ungefähr 450 Metern wieder ans Tageslicht tritt. 1978 stürzte der für den Ort so wichtige Stollen auf Höhe des Rathauses ein. Ursache war vermutlich eine alte Auffüllung des ehemaligen Tuffsteinbruchs. Auf 48 Meter Länge wurde der Stollen durch eine runde Betonröhre mit 1,2 m Durchmesser ersetzt. Erst neuerdings wurde die Stollenstrecke von Höhlenforschern auf ganzer Länge vermessen.
Seit 1996 ist der Stollen eingetragenes Kulturdenkmal!

Mit freundlicher Genehmigung des Kulturamt der Stadt Bad Urach,
abgeschrieben und gekürzt aus „Heimatbuch Seeburg“ durch Rolf Rickborn
Weitere Literatur:
Württembergische Landesbibliothek Stuttgart und Hauptstaatsarchiv Stuttgart