Raue Rampe in Metzingen (2006)

An der heutigen Mühlwiesenstraße bestand einstmals eine Lederfabrik, auf deren Areal heute das Hochhaus "Am Weinberg", Ulmer Str. 42 steht. Wie viele der frühindustriellen Gewerbebetriebe besaß auch die Lederfabrik damals einen Gewerbekanal. Die Wasserführung für diesen Kanal wurde mittels eines Wehres in der Erms geregelt. Damit verbunden war ein etwa 1,5 m hoher, betonierter Absturz, der sich quer über die gesamte Breite der Ermssohle erstreckte. Die Nutzung des Wehres wurde in den 1960er Jahren aufgegeben. Seither, also über 4 Jahrzehnte, bestand das Betonfragment unnütz fort. Dabei bildete es einen unüberwindbaren Sturz für die Wanderungsbestrebungen der Fische und anderer heimischer Tierarten der Fließgewässer.

Im November 2006 rückte der Bagger an. Durch Planung und Finanzierung des Regierungspräsidium Tübingen und der Stadt Metzingen entstand ein von der Stadtkonzeption und später der ErmsVerbund-Arbeitsgemeinschaft EVA angeregter Bau einer rauen Rampe. Aus dem hohen Sturz wurde eine 15 Meter lange Rampe mit einem nachfolgenden Tosbecken.

Gleichzeitig konnte das Ufer durch eine Verschmälerung der Mühlwiesenstraße wesentlich natürlicher und flacher angelegt werden.

Die Baukosten in Höhe von etwa 75.000 € teilten sich das Regierungspräsidium Tübingen und die Stadt Metzingen, wobei vor allem naturschutzrechtliche Ausgleichszahlungen eingesetzt wurden.

Die Raue Rampe Mühlwiesenstraße ist die erste von 3 Maßnahmen der Erms im Bereich der Stadt Metzingen. Sie stellt auch den Einstieg in die gemäß EU-Wasserrahmenrichtlinie notwendigen Arbeiten dar, wonach alle Gewässer in einen so genannten guten Zustand zu überführen sind. Der Sturz mit dem Wohnhaus Nagel und der Eisenbahnbrücke im Hintergrun

 

Raue Rampe MetzingenDer Sturz mit dem Wohnhaus Nagel und der Eisenbahnbrücke im Hintergrund.

Raue Rampe in MetzingenDer Sturz aus der Nähe, davor war eine tiefe Auskolkung in der Sohle.

Raue Rampe in MetzingenDie fertige raue Rampe mit ihren runden Granitsteinen aus dem Schwarzwald und der Weißjura - Uferschüttung.

Raue Rampe in MetzingenSehr schön ist das Tosbecken zwischen Rampe und erstem Querriegel zu erkennen.

Alle Bilder: Rolf Rickborn

Raue Rampe –Metzingen –Mühlwiesenstraße –November 2006

Erschienen unter www.metzingen.de > Stadtnachrichten

Bereits im vergangenen September hat der Gemeinderat dem Bau einer Rauen Rampe in der Erms an der Mühlwiesenstraße einstimmig zugestimmt. Inzwischen wurde diese Maßnahme verwirklicht und heute offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt.

In dem Abschnitt der Erms zwischen der Fischerbrücke und der Fleischwarenfabrik Nagel bestand zuvor ein ca. 1,60 Meter hoher, senkrechter Absturz, der Rest einer alten Wehranlage. Der Wehrkörper war in bautechnisch schlechtem Zustand, zudem stellte dieser ein unüberwindbares Hindernis für Fische und andere Gewässerlebewesen dar. Zwei Gründe, die daher für die Verwirklichung der Rauen Rampe sprachen. Diese überwindet nun den Höhenunterschied mit einer Neigung von 1:15 auf einer Länge von 25 Metern.

Fische und wirbellose Kleintiere können sich so nun ungehindert flussauf- und abwärts bewegen. Das Regierungspräsidium Tübingen als Vertreter der Landes war als Träger der Maßnahme letztlich für die Umsetzung verantwortlich. Insgesamt wurden 70.000 € investiert, um die Erms für Ihre Lebewesen, sowie für die Anwohner attraktiver zu machen. 50.000 € davon konnten aus Landesmittel der Glücksspirale gedeckt werden, die restlichen 20.000 € teilten sich Regierungspräsidium und Stadt jeweils zur Hälfte. Konrad Berger von der Abteilung Planung und Umweltschutz betont, dass hierfür Gelder aus Ausgleichsmaßnahmen verwendet wurden. „Dies sind Mittel, die von Bauherren für Eingriffe in die Natur bezahlt werden müssen“, erklärt er. Dr. Wolf Hammann freute sich über den gelungenen Umbau mit neuer Uferbepflanzung und dankte der Stadt Metzingen für die gelungene Kooperation.

Besonders erfreut zeigte er sich angesichts des Engagements einiger Metzinger Bürger, stellvertretend nannte er Herrn Rolf Rickborn, der sich für den Naturschutz im Bereich der Erms besonders einsetzt. Gleichzeitig stellte er zwei weitere Verbesserungen in der Erms im Metzinger Stadtgebiet in Aussicht: zunächst in Neuhausen, sowie danach auch auf Höhe des Freibades. Oberbürgermeister Dieter Hauswirth lobte seinerseits die gute Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Tübingen und blickte bereits zuversichtlich auf zukünftige gemeinsame Projekte.

Raue Rampe Metzingen -Einweihungv.l. Lothar Heissel vom Regierungspräsidium Tübingen, Referatsleiter Gewässer I.Ordnung, Oberbürgermeister Dieter Hauswirth, Dr. Wolf Hammann, Abteilungsleiter Umwelt beim Regierungspräsidium Tübingen, Rolf Rickborn